Ferry

Gabriel Ferry

(1809–1852)

Biogramm

Gabriel Ferry wurde am 29. November 1809 in Grenoble geboren. Nach der Schulzeit arbeitete er in der Handelsfirma seines Vaters. 1830 trat er eine Geschäftsreise nach Mexiko an, von der er erst nach sieben Jahren zurückkehrte. Gabriel Ferry benutzte seinen Aufent­halt in Mexiko, um das Land, das kurz nach der Revolution noch nicht zur Ruhe gekommen war, kennen zu lernen. Eine lange, über ein Jahr dauernde Reise führte ihn bis nach Arizona und San Francisco. Drei Jahre nach seiner Rückkehr nach Frankreich (1840) trat er in eine Versicherungsgesellschaft ein, brachte es bis zum Direktor und machte kurz darauf (1843) Bankrott. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, begann Gabriel Ferry nun zu schreiben.

1852 zog es ihn noch einmal nach Mexiko, diesmal sollte er im Auftrag der Re­gierung reisen, um die Ankunft von französischen Auswanderern vorzubereiten. Sein Schiff, ein moderner Schraubendampfer, wurde bei einem schweren Unwetter durch einen Blitz in Brand gesetzt, geriet in Seenot und sank im Ärmelkanal. Nach Augenzeugenberichten blieb Gabriel Ferry in der allgemeinen Panik ruhig und verzichtete, nachdem er das Kentern von zwei Rettungsbooten mitangesehen hatte, auf einen Platz im dritten Boot, dessen Insassen später gerettet wurden.

 

Beurteilung

Illu

Ferrys bekanntestes Werk war „Der Waldläufer“ (1850), einer der schönsten und bedeutendsten Abenteuerro­mane der Weltliteratur.

Michael Koser schrieb dazu in seinem Nachwort zur „Waldläufer“-Ausgabe im Fischer Taschenbuch Verlag:

… Die dramatischen Höhepunkte im »Waldläufer« – der Indianer-Angriff auf das Goldgräberlager, die Belagerun­gen der Insel im Rio Gila und des Felsens an den Nebel­bergen, die gefährliche Kanufahrt auf dem Colorado, der Kampf am Büffelsee – sind auch von anderen Abenteuer­roman-Autoren imitiert und nachempfunden worden. Aber keiner von ihnen, May nicht ausgenommen, hat die grandiosen theatralischen Effekte Ferrys erreicht, seine komplizierte Choreographie des Abenteuers, die zum ro­mantischen Ballett des Todes wird, zu einem verschlungenen Muster von Personen, Aktio­nen und Emotionen, illuminiert durch bengalische Beleuchtung und vom atemlosen Leser aus der Vogelperspektive über der Wüste verfolgt. Man deklamiert mit theatralischem Pathos, Höhepunkte werden in langsamer Steigerung erreicht und dann wie auf der Bühne zelebriert, große Worte und große Gesten erinnern an spätromantisches Drama und spätromantische Malerei, an Victor Hugo und Eugène Delacroix; die Landschaft der Apa­cheria erweist sich als Täuschung, als perfekt konstruierte Kulisse, drapiert, beleuchtet, be­malt, um die Handlungseffekte ins rechte Milieu zu setzen, und alle Fäden laufen schließ­lich im vorgezogenen großen Finale am Büffelsee zusammen – eine einmalige Schau ist zu Ende, ein exotisch-romantisches Theaterstück, ein buntes »Gemälde der Sitten der Wüste«, ein großer Roman. Michael Koser
… F(erry)s früher Tod begünstigte unkontrollierte Bearbeitungen, Neuzusammenstellungen und Kürzungen, die insbesondere für seinen anhaltenden Erfolg als Jugendbuchautor entscheidend wurden. … Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur, Weinheim und Basel, 1984
 

Primärliteratur


1851 DER WALDLÄUFER. Scenen aus dem mexicanischen Waldleben. Aus dem Fran­zö­si­schen von G. Füllner — Halle, G. C. Knapp’s Sortiments-Buchhandlung (Schroedel und Simon), 1851, 8 Bde. (192 S.; 199 S.; 167 S.; 163 S.; 174 S.; 154 S.; 179 S.; 123 S.) 1. | 2. | 3. | 4. | 5. | 6. | 7. | 8. 1863 Gabriel Ferry’s FARMER UND GOLDSUCHER oder Abenteuer und Erlebnisse eines jungen Auswanderers in Virginien und Californien. Für die Jugend bearbeitet von Carl Müller. Mit 3 colorirten Kupfern — Sondershausen, Verlag von G. Neuse, [1863], (IV 137 S.) Digitalisat der Uni Braunschweig